Vor genau 500 Jahren wurde der Seitenaltar im Obsaurer Kirchlein geweiht. Zu diesem Anlass kamen viele aus nah und fern, um beim traditionellen Kirchtag mit dabei zu sein.

Feste muss man feiern, wie sie fallen…

Der feierliche Gottesdienst im Freien – zelebriert von Pfarrprovisor Herbert Traxl – wurde von der Musikkapelle und der Schützenkompanie umrahmt. Am Ende des Gottesdienstes stand der DANK an den jahrzehntelangen „Kirchmoar“ (= Kirchenkümmerer) Seppl Fink  für seinen unermüdlichen Einsatz für diese Kleinod im Vordergrund. Als kleines Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung überreichte Pfarrprovisor Herbert Traxl von Seiten der Pfarre Schönwies ihm eine Lithographie „Stamser Alm“ (Widum mit Kirche) aus eigener Werkstätte.
Beim anschließenden Kirchtagsfest wurden die BesucherInnen unter anderem mit besonderen Schmankerln verwöhnt (Kirchtagskrapfen, Ziachkiachln, nuis Schmalz,…). Allen, die mit dabei waren und vor allem dem Organisationsteam rund um Seppl Fink ein herzliches DANKE für den gelungenen Obsaurer Kirchtag!

Was hat Obsaurs, was andere Kirchen nicht haben?

Obwohl die Kirche laut Ablassbriefen dem Hl. Vigilius, Märtyrerbischof von Trient, geweiht ist, wurde der neu errichtete Seitenaltar drei legendären Jungfrauen geweiht: Sie wurden Aynpete, Barpete und Vilpete genannt. In der Folge muss die Kirche ein vielbesuchter Wallfahrtsort gewesen sein, was Graffiti an den Wänden im Inneren der Kirche belegen. Ein noch vorhandenes Tafelbild aus der Zeit um 1650 nennt die drei Jungfrauen Ambett, Gwerbett und Wilbett. Nachdem der Kult um 1750 wahrscheinlich gewaltsam abgeschafft wurde, hat Kurat Abraham Linser (Seelsorger in Schönwies 1855-1899) ein neues Bild malen lassen. Darauf werden sie analog zu den drei Jungfrauen von Meransen in Südtirol Aubet, Cubet und Guerre genannt.
Wissenschaftlich ist die Herkunft der drei Jungfrauen nicht geklärt. Historisch sind sie seit dem frühen Spätmittelalter als Trinität mit verschiedenen Namen in Mitteleuropa nachweisbar. Ursache für die Entstehung des Kultes waren wohl vielerlei Nöte der einfachen Bevölkerung jener Zeit.
Heute wird die Kirche von vielen Menschen aus nah und fern aufgesucht. Da der Jakobsweg hier vorbeiführt, kommen Pilger aus allen Himmelsrichtungen hierher.

Zur Baugeschichte

Bauchtechnisch ist es etwas „kurios“ zugegangen: Begonnen wurde mit dem Kirchenbau um das Jahr 1450 im gotischen Baustil. Das Holz des Dachstuhls – heute noch vorhanden – wurde erst  im Winter 1464/65 geschlägert. Bald darauf wird die Einweihung der Kirche stattgefunden haben. Rund 30 Jahre später wurde ein teilweiser Neubau der Kirche nötig, vermutlich haben irreparable Mauerrisse des Kirchenschiffes dies verursacht. Der Altarraum steht nämlich auf gewachsenem Boden, während das Kirchenschiff auf Aufschüttungsgrund steht. Heute noch durchzieht das Gewölbe ein Mauerriss, der sich jahreszeitlich verändert.
Vor 25 Jahren wurde die Kirche generalsaniert, seither sind immer wieder Reparatur- und Verschönerungsarbeiten angefallen, die meist in Eigenregie erledigt werden.

(Auszüge aus der Festrede von Josef Fink anlässlich des 500 Jahr Jubiläums am 22. August 2021)